Siemens PLM Software – ein Jahr nach der Daimler-Entscheidung

Juni 2012

Interview mit Markus Hesse, VP Automotive bei Siemens PLM Software. Markus Hesse, Vice President Automotive bei Siemens PLM Software, gewährt einen Blick hinter die Kulissen: Was ist passiert seit der strategischen Entscheidung von Daimler im November 2010? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Siemens und Daimler in dem großen Umstellungsprojekt ‚PLM 2015‘? Und welche Auswirkungen hat die Entscheidung von Daimler auf die weitere Entwicklung bei Siemens PLM Software?

Herr Hesse, ist Daimler ein angenehmer Kunde? Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen den beiden großen Organisationen?
Das erste Jahr dieser erweiterten Zusammenarbeit gibt uns ein sehr gutes Gefühl. Daimler war ja schon vorher lange Jahre unser Kunde. Die jetzige Kooperation – nicht nur hinsichtlich „PLM 2015“, sondern auch in dem Projekt „Trillium“ zur Dokumentation der Stücklisten – ist vorbildlich.

Ein Beispiel: Produktverbesserungen hinsichtlich NX sind für Daimler nur dann ein Thema, wenn sie auch ins Standardprodukt gehören. Damit bringt die Kooperation mit Daimler Verbesserungen, die wir für alle Automotive-Kunden oder generell für alle Anwender realisieren. Auf der anderen Seite kann sich Daimler darauf verlassen, dass die vereinbarten Verbesserungen oder Erweiterungen zu dem Zeitpunkt verfügbar sind, den wir miteinander vereinbart haben.

Die Migration zu NX berührt eine große Zahl von Anpassungen, die in vielen Jahren bei Daimler mit CATIA entstanden sind. Wie gehen Sie damit um?
Bei den von Ihnen angesprochenen Anpassungen geht es um Templates, die Geometrie selbst und um Add-on Programme. Es gab schon verschiedene Tools aus dem Hause Siemens, aber auch frei am Markt angebotene Tools für die Konvertierung der CAD Daten. Wir haben unsere Tools über Jahre hinweg verbessert und neue Bausteine entwickelt, um möglichst viel Intelligenz von bestehenden CAD-Daten zu übernehmen. Diese Tools zusammen mit dem offenen Standard JT, der auf dem besten Wege ist, ISO Standard zu werden und ursprünglich aus unserem Haus kommt, machen eine CAD-Migration zu NX absolut beherrschbar und in einem attraktiven Business Case umsetzbar.

Andererseits hat Daimler natürlich über die Jahre hocheffiziente Prozesse implementiert, die neben der Standardsoftware auch durch umfangreiche Anpassungen unterstützt werden. Hier geht es nicht nur darum, die erprobten Prozesse auch mit NX optimal zu unterstützen. Daimler will zugleich die kundenspezifische Entwicklung reduzieren und den Anteil der Standardfunktionalität erhöhen. In diesem Punkt ist die Weiterentwicklung von NX ein wichtiger Teil der Partnerschaft. Die nächste Version wird deshalb Verbesserungen sowohl für die internen Prozesse bei den Herstellern bringen, als auch für die Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Zulieferern.

Wie teilen sich Siemens und Daimler die Aufgabe der Schulung?
Unsere Rolle betrifft hauptsächlich die Methodenentwicklung und deren Umsetzung auf NX. Ein Trainingskonzept für Trainer und sogenannte Key-User wird gerade fertig gestellt. Für die Schulung der Endanwender werden dann Firmen aus unserem Partnernetzwerk von Daimler zertifiziert.

Was können Lieferanten tun, um sich möglichst früh umzustellen?
Es gibt von uns für die Zusammenarbeit mit Daimler empfohlene Softwarepakete, auf die man auch von vorhandenen Zulieferer-Paketen umsteigen kann. Gemeinsam mit unseren Partnerfirmen bieten wir ein direkt auf die Zusammenarbeit mit Daimler abgestimmtes Training an. Für Frühstarter gibt es einen speziellen Support.

Rechnet Siemens damit, dass weitere Autohersteller, beispielsweise BMW, dem Beispiel von Daimler folgen?
In der Automobilindustrie ist NX bei vielen Herstellern, darunter GM, FIAT, Mazda und Nissan im Einsatz. Auch Chrysler ist auf NX umgestiegen. Nahezu alle Zulieferer setzen NX ein. Daimler bestätigt mit seiner Entscheidung, dass unsere Technologie und unsere auf offenen Standards basierende Produktstrategie richtig sind. Wir haben schon mehrfach gezeigt, dass wir Projekte wie das bei Daimler erfolgreich umsetzen können. Wir reden mit allen namhaften Herstellern und würden einen Umstieg von weiteren OEMs begrüßen. Wir sind auf jeden Fall vorbereitet.

Quelle: www.plmportal.org
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